Von Ipsala bis Istanbul

 

Gespannt und mit Vorfreunde auf ein weiteres Land überschreiten wir am 28. August 2011 die griechisch-türkische Grenze in Ipsala. Wir wurden im Vorfeld von mehreren Pilgernden gewarnt, dass jene Grenze nicht zu Fuss überschritten werden könne sondern lediglich fahrend. Die ersten motorisierten Leute, die wir treffen – ein junges italienisches Paar in einem kleinen Wohnmobil – willigen ohne die Augen zu zwinkern sofort ein, uns mitzunehmen. Auf den 500 Metern Niemandsland scheinen Griechen und Türken, um die grösste und schönste Flagge zu wetteifern. Die stark militarisierte Zone macht uns unmissverständlich klar, dass das Verhältnis zwischen den beiden Nationen angespannt ist.

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In den folgenden 10 Tagen durchqueren wir den europäischen Teil Anatoliens via Ipsala – Kesan – Malkara – Tekirdag – Yeniciftlik – Gümüsyaka – Silivri – Selimpasa – Büyükcekmec – Atatürk Flughafen – Istanbul.

Die Strecke bis Istanbul folgt stets einer vierspurigen Strasse. Je näher wir der Millionenstadt Istanbul kommen, desto verkehrsreicher, lärmiger und schwieriger sind die Strassen. Die Siedlungen entlang der Marmaraküste schmelzen immer mehr ineinander, die Ortsgrenzen sind nur noch anhand von Strassenschildern auszumachen. Der Zugang zur Küste ist nur an wenigen Stellen zugänglich, da zwischen den Strandhäusern und dem Wasser oft nicht mehr als ein Meter ausgespart wird. Wie erstaunt und erschroken ich darüber bin! Haben die Menschen in diesen Häusern angesichts der Schönheit des Meeres denn alle Furcht vor dem Unberechenbaren verloren? Oder erscheint mir als Schweizerin das Meer lediglich bedrohlicher als es eigentlich ist?

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Die vor etwa sechs Jahren erweiterte Hauptstrasse nimmt keine Rücksicht auf Fussgänger und Dorfgemeinschaften. Viele der Ortschaften, die wir durchqueren, sind in zwei geteilt und nur verbunden durch Fussgängerbrücken, die schwer passierbar sind. Vor Ipsala treffen wir einen Bauer, der seine Herde Rinder entlang der vierspurigen Strasse auf sein Feld führt. Glücklicherweise ist zu diesem Zeitpunkt nur wenig Verkehr.

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Es sind solche oder ähnliche Begegnungen mit Menschen, die uns auf unserem Roadtrip entlang dem Highway Richtung Istanbul immer wieder aufstellen und für Abwechslung sorgen. So lernen wir auch einen Buschauffeur und seinen Helfer kennen, die mehrmals täglich die Strecke Kesan – Tekirdag fahren.

Wir begegnen uns das erste Mal kurz vor Malkara. Sie halten an, der Helfer gestikuliert animiert und will uns unbedingt in seinem leeren Van mitnehmen. So freuen wir uns über die grosszügige Hilfsbereitschaft und lassen uns bis Malkara fahren obwohl der Helfer uns lieber bis nach Tekirdag bringen würde. Ich verstehe ja schon, dass es für Manchen schwierig zu verstehen ist, weshalb man zu Fuss auf dieser Strasse geht, wenn es doch Busse gibt… Jedenfalls findet der selbe Buschauffeur mit dem selben Helfer uns am folgenden Tag wieder auf der selben menschenunfreundlichen Strasse. Wir sind erst etwa 10 km von Malkara entfernt. Als die beiden anhalten und uns in den Bus winken, willigen wir nicht ganz freiwillig zu einer 40km-Fahrt bis nach Tekirdag ein. Die beiden freuen sich sichtlich uns helfen zu können, sie offerieren uns Mineralwasser und Bonbons. In Tekirdag angekommen entscheiden wir uns ohne Gepäck und mit einem anderen Bus 25 km zurückzufahren, um den grösseren Teil der Strecke doch noch zu Fuss zu machen.

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Eine besonders erfreuchliche wie auch eher unerwarteten Begnung haben wir in Silivri mit der Pilgergruppe aus dem Lassalle Haus. Sie sind einen Monat vor uns in der Schweiz gestartet und haben für ihren Weg nach Istanbul und Jerusalem die Donauroute gewählt. Die Via Egnatia und die Donauroute laufen in Silivri zusammen. Da wir einen Tag vor der Lassallegruppe schon in Silivri eintreffen, warten wir am 4. September auf der Brücke von Sinan Mimmar auf unsere Pilgerfreunde. Die nächste Tage bis Istanbul gehen wir immer wieder Stücke des Weges gemeinsam, übernachten in den selben Hotels und haben Zeit für angeregte und interessante Gespräche.

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Am Mittwoch den 7. September 2011 kommen wir in Istanbul an. Eine unglaublich breite Strasse mit 12 Fahrbahnen führt uns fast bis zur Stadtmauer Istanbuls. Erst kurz davor weichen wir auf eine kleinere Strasse mit Trottoir aus. Wir sind erleichtert ein grosses Etappenziel erreicht zu haben und freuen uns darüber, die Via Egnatia, die hier in Istanbul zu Ende geht, zu Fuss beschritten zu haben. Die kommenden Tage gelten dem Erkunden des einst byzantinischen Konstantinopels.

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Regula

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